Gegen das Alleinsein im Alter: Diethardt aus Berlin schmiedet Pläne für seine Nachbarschaft

Gegen das Alleinsein im Alter: Diethardt aus Berlin schmiedet Pläne für seine Nachbarschaft

Für große Visionen ist es nie zu spät. Das ist das Motto von Diethardt, der in seiner Spandauer Nachbarschaft das Restaurant „Die Kichererbse“ in einen Treffpunkt für Jung und Alt verwandeln will.

Schon von Weitem sieht man Diethardt an: Der hat Energie. Und zwar nicht zu knapp. Der gut zwei Meter große Mann mit weißem Schnauzer ist seit drei Jahren im Ruhestand – aber von Stillstand keine Spur.

„Ich habe früher in der Gastronomie gearbeitet und ständig Veranstaltungen organisiert. Ich hab’ schon immer gerne Menschen zusammengebracht. Das kann ich mir so schnell nicht abgewöhnen!“

sagt Diethardt im schönsten rheinischen Singsang und nippt dabei an seinem dritten Kaffee.

Er sitzt auf einem gemütlichen Sessel im Café „Die Kichererbse“ in Wilhelmstadt Süd, einem Viertel von Spandau. Hier ist Diethardt Stammgast, hier fühlt er sich wohl. Die Wohnzimmer-Atmosphäre des Cafés gefällt ihm deutlich besser als das Seniorenwohnheim zwei Straßen weiter, in dem er jetzt lebt. Diethardt ist 1985 aus Düsseldorf nach Berlin gezogen und wohnt seit fünf Jahren in seinem Kiez.

„Seit fünf Jahren! Aber immer noch kenn’ ich hier kaum jemanden! Das kann ja so nicht weitergehen“, ruft er und holt stolz zwei Zettel aus seiner Aktentasche.

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Einladung zu Bingo und Kaffeeklatsch

„Bingo Live mit Kaffeeklatsch“ prangt auf dem einen Zettel, „Spiele-Freizeit-Zentrum Spandau“ auf dem anderen. Zwei Aktionen, die Diethardt in der „Kichererbse“ auf die Beine stellen will. Nachbarn aus allen Altersklassen sollen sich hier regelmäßig und ungezwungen treffen können. „Am Anfang soll einfach jeder ein Brettspiel mitbringen, das er gerne spielt, ich könnte zum Beispiel Monopoly beisteuern. Ich hab’ auch schon Spiele-Hersteller angeschrieben, dass wir auch gerne neue Spiele testen würden!“

Die ersten Bingo-Runden haben schon stattgefunden: Beim letzten Mal hat Teilnehmerin Hannelore einen Präsentkorb mit italienischen Spezialitäten gewonnen. „Es soll immer schöne Preise geben, damit sich das rumspricht!“, erzählt Diethardt.

An der letzten Bingo-Runde haben vier Nachbarn teilgenommen, aber das sollen noch deutlich mehr werden. „Ich bin ein echtes Stehaufmännchen und lass mich so schnell nicht entmutigen“, sagt Diethardt optimistisch.

Einbindung von Nachbarn mit geringem Einkommen

Er ist seit Mitte 2016 auf nebenan.de aktiv und lädt seine Nachbarn regelmäßig über die Plattform zu seinen Aktionen in die Kichererbse ein. Aber ihm ist auch wichtig, diejenigen mit einzubeziehen, die keinen Internetzugang haben. Deshalb legt er regelmäßig Flyer auf den Tischen der Kichererbse aus.

Einmal im Monat, immer samstags, organisiert Diethardt den Frühstückstreff in der Kichererbse. Zu humanen Preisen: Ab 3,50 Euro bekommt man dort eine Tasse Kaffee und zwei belegte Brötchen. Trotzdem ist das für einige Nachbarn kein Pappenstiel.

Wie Diethardt müssen viele Rentner in seinem Kiez mit einem Einkommen von unter 800 Euro auskommen. „Früher war der Frühstückstreff immer am letzten Samstag im Monat. Aber für einige war das schwierig, weil zum Monatsende das Geld knapp wurde. Deshalb findet er jetzt immer am ersten Samstag im Monat statt“.

Nachbarschaftshilfe unter Gastronomen

Spiele- und Frühstücks-Treff sind Diethardt noch nicht genug. Als nächstes will er eine lokale Theatertruppe einladen, in der Kichererbse aufzutreten. Dafür würde der Chef sogar eine kleine Bühne aufbauen.

„Chef? Kommste mal?“, ruft Diethardt hinter den Tresen. Der Besitzer der Kichererbse kommt zu ihm an den Tisch und klopft ihm auf die Schulter. „Ich kann das nur unterstützen, was er alles vorhat und helfe wo ich kann“, sagt Besitzer El Bartaweisy. Früher war hier sein Reisebüro, vor einem Jahr hat er den Raum in das gemütliche Café umgebaut. „Wenn hier regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, finde ich das natürlich gut“, sagt er mit einem Augenzwinkern und verabschiedet sich von Diethardt.

Über der Eingangstür der Kichererbse steht der Spruch: „We Make Dreams Happen“. Wenn das mal kein gutes Omen für Diethardt und seine Pläne für die Nachbarschaft ist. Am 6. Januar findet das große Neujahrstreffen mit Frühstücksbuffet ab 11 Uhr in der Kichererbse statt.

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