Filmtreff für Philosophen: Richard aus Augsburg startet Kinoabend mit den Nachbarn

Filmtreff für Philosophen: Richard aus Augsburg startet Kinoabend mit den Nachbarn

Richard liebt Hollywood-Blockbuster, Arthouse- und Independent-Filme. Leider teilen nicht allzu viele Freunde seine Begeisterung für gute Filme. Deshalb hat er in seiner Nachbarschaft einen „Movie-Philo-Abend“ ins Leben gerufen – mit Erfolg!

Normalerweise hat Richard Vorbehalte gegenüber „sozialen“ Online-Netzwerken. Der 42-jährige Augsburger ist nicht bei Facebook & Co. und nutzt auch Twitter nur eingeschränkt. Aber vor ein paar Monaten bekam er eine Empfehlung von seiner Schwester, doch mal bei nebenan.de reinzuschauen. Richard gab dem Nachbarschaftsnetzwerk eine Chance.

„Ich dachte: Okay, das läuft ganz anders als in den üblichen Netzwerken; da wird man nicht so zugemüllt mit unnützen Informationen. Und es teilt sich anscheinst nur die umgebende Nachbarschaft mit. Das kann ich ja mal probieren“.

Zunächst schloss er sich ein paar Gruppen für gemeinsames Mountainbiken oder Bergwandern an und beobachtete erst einmal. Als er eines Abends den Film „Marvel’s Dr. Strange“ anschaute und keiner da war, um über die Tiefen der Story zu sprechen, verfestigte sich die Idee, seine eigene Gruppe für Film-Interessierte zu gründen.

Auf der Suche nach Gleichgesinnten

„Ich wollte mal sehen, wie faul oder konsumorientiert die Augsburger tatsächlich sind“, sagt er augenzwinkernd. „Oft ist es ja so: Man geht ins Kino; und kaum läuft der Abspann, müssen – meist der späteren Stunde oder der Ermüdung bedingt – alle schnell nach Hause. Dabei hat man doch oft noch Redebedarf und will sich über einzelne Szenen oder Aussagen des Films, gar Filmfehler austauschen. Das versuche ich nun in meiner Nachbarschaft mit der Filmgruppe aufzufangen“.

Also lud Richard im September seine Nachbarn über nebenan.de zum ersten „Movie-Philo-Abend“ ein. „Das hat dann ziemlich flott funktioniert. Da war ich doch etwas überrascht, dass sowas im kleinen Augsburg doch klappen kann!“

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Ein Gedankenexperiment zum Auftakt

Der erste Filmabend findet bei Richard zu Hause statt, als „Vertrauensvorschuss“. Passenderweise hat sich die Gruppe beim Vorab-Info-Treffen auf Richards Vorschlag hin auf den Film „The Philosophers“ geeinigt: ein Science-Fiction-Drama aus dem Jahr 2013 über ein Gedankenexperiment von Philosophiestudenten, das ziemlich außer Kontrolle gerät.

Sechs Leute versammeln sich in Richards „Wohn-Kino“. Bis auf Cristina, mit der er sich vorab schon als Co-Moderatorin zur Organisation getroffen hatte, kennt er keinen der Nachbarn. Alle haben etwas zu Knabbern mitgebracht, es gibt sogar Selbstgebackenes und Federweißen.

„Es war wie gehofft von Anfang an eine Lockerheit da. Nach kurzem Warmwerden haben wir den Film eingelegt und bis kurz nach Mitternacht zusammengesessen und darüber diskutiert.“

Eine bunte Truppe Movie-Philosophen

Besonders gut gefällt Richard, wie gemischt die Gruppe der Filmliebhaber ist: „Wir waren drei Damen (Anne, Maria, Cristina) und drei Herren (Philipp, Abdulaziz, ich), und ich war mit meinen 42 Jahren sogar der Jüngste. Wir kommen quer aus der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Berufssparten. Abdulaziz ist ein Flüchtling aus Syrien, der durch die Filmabende nebenbei sein Deutsch weiter verbessern will. Er ist Doktorand in Psychologie und es ist super, durch ihn auch interkulturell eine andere Sichtweise auf die Filme zu bekommen.“

Mittlerweile ist die Gruppe der „Movie-Philosopen Ost“ weiter gewachsen und hat jetzt neun feste Mitglieder. Insgesamt gab es bisher drei erfolgreiche Treffen; in Zukunft sollten die Filmabende regelmäßig, zumindest einmal im Monat stattfinden.

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Gegen die Abschottung

Richard findet es gut, dass sich die Mitglieder auf nebenan.de bewusst einem Trend entgegenstellen, den er häufig beobachtet: Leute scheinen überfordert von der ständigen Informationsflut und verkriechen sich immer mehr zu Hause.

„Das Phänomen nennen Forscher ‚Cocooning’, also wie eine Raupe, die sich einspinnt. Bei nebenan.de treffen sich Leute, die anders denken, die sehen: Da könnte eine helfende Hand sein, oder eine gute Idee, oder eine neue Bekanntschaft, oder jemand mit meinem Interesse, und auch noch in der umgebenden Nachbarschaft. Das gefällt mir!“

Die „Movie-Philosophen Ost“ haben ein paar Filmtipps für uns zusammengestellt:



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