Bonjour Kölsch-Französische Nachbarschaft: Karines Stammtisch verbindet Kulturen

Bonjour Kölsch-Französische Nachbarschaft: Karines Stammtisch verbindet Kulturen

„Ich habe einen Wolfshunger!“ Solche Sätze fallen beim Deutsch-Französischen Stammtisch, den die Französin Karine in Köln ins Leben gerufen hat. Alle zwei Wochen lässt die Truppe das französische „Savoir-Vivre“ hochleben.

Vor gut einem halben Jahr tauschte Karine den Pariser Eiffelturm gegen den Kölner Dom ein und zog aus der französischen Hauptstadt nach Köln Riehl. Hier macht sie eine Umschulung zur Veranstaltungsfachwirtin. „Ein sehr langes deutsches Wort, für das ich noch keine französische Übersetzung gefunden habe“, lacht Karine in perfektem Deutsch mit ihrem sympathischen französischen Akzent.

Karines Mann ist Deutscher, muss aus beruflichen Gründen aber noch eine Weile in Frankreich bleiben. Karine ergriff die Initiative: „Ich wollte in Riehl möglichst schnell Anschluss finden und neue Leute kennenlernen. Deshalb habe ich mich wenige Wochen nach dem Umzug bei nebenan.de angemeldet.“

Nach kurzer Zeit wurde sie auf einen Beitrag von einem Nachbarn aufmerksam, der Lust hatte, sich zum Kochen oder Französisch sprechen mit seinen Nachbarn zu treffen. Da wurde Karine hellhörig: „Kochen war uns logistisch dann doch zu schwierig. Aber schnell war die Idee geboren, einen Deutsch-Französischen Stammtisch ins Leben zu rufen.“

Karine veröffentlichte einen Beitrag, der die Nachbarn zum ersten Treffen einlud. Sie bekam daraufhin viele begeisterte Reaktionen von Nachbarn, die interessiert waren. „Das war für mich das Zeichen, dass genug Interesse vorhanden war und sich der Organisationsaufwand lohnen würde“, sagt Karine.

Der erste Erfolg beim Blind Date

Beim ersten Treffen im Sommer erscheinen dann auch gleich acht Nachbarn im vereinbarten Café in Nippes. „Das war am Anfang schon etwas komisch, weil wir uns ja völlig fremd waren. Aber auch ganz lustig nach einem Moment.“

Die Stimmung ist locker und die unterschiedlichen Lebensgeschichten der Teilnehmer machen es interessant. „Diese große Vielfalt gefällt mir am besten: Wir haben Studenten, Rentner, Berufstätige, alle Altersgruppen, aus Deutschland und aus Frankreich!“

Meistens wird beim Stammtisch nur Französisch gesprochen, auf verschiedenen Niveaus. „Gerne diskutieren wir auch über Sprichwörter. Zum Beispiel sagt man im Deutschen ‚Bärenhunger’, und in Frankreich ‚Wolfshunger’. So was bringt immer alle zum Lachen.“

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Eine Idee wird zum Selbstläufer

Nach dem erfolgreichen ersten Stammtisch beschließt Karine, die Runde jetzt alle zwei Wochen, immer montags, zusammenzurufen. Nach und nach sind auch Frankophone aus anderen Stadtteilen dazu gekommen: „Das lief dann auch über Mundpropaganda und ging über die Grenzen der Nachbarschaft hinaus.“ Mittlerweile trifft sich eine feste Gruppe, aber es kommen auch immer wieder neue Gesichter dazu.

Karine ist ein echtes Organisationstalent. Jede Woche investiert sie ca. eine Stunde Zeit in ihren Stammtisch: „Ich schreibe die Einladung bei nebenan.de und mittlerweile auch auf anderen Kanälen. Dann verfolge ich täglich, was passiert. Das Organisieren macht mir Spaß – aber ich verstehe auch, wenn jemand, der voll berufstätig ist, dafür keine Energie hat“.

Neue Bekannte auch abseits des Stammtischs

Karines Wunsch, Anschluss im Viertel zu finden, ist voll aufgegangen. Mittlerweile hat sie auch Nachbarn gefunden, mit denen sie sich außerhalb des Stammtischs trifft. „Zum Beispiel eine Nachbarin, die in meiner Straße lebt. Sie frage ich gerne, wenn ich etwas unternehmen möchte!“

Im Sommer hat Karine zusätzlich zum Stammtisch an einem Sonntag ein deutsch-französisches Picknick organisiert. Klassisch mit Wein, Käse und Quiche, einige haben Instrumente mitgebracht, es wurde Musik gemacht und gesungen. Zum Picknick kamen 18 Leute – ein voller Erfolg, den Karine gerne nächsten Sommer wiederholen möchte.

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Anonymität ins Positive wandeln

In Karines Nachbarschaft in Riehl wohnen vor allem junge Familien und Rentner. Da ist es nicht so einfach, Anschluss zu finden. „Ohne nebenan.de hätte ich – abgesehen von den Leuten aus meinem Haus – sicherlich kaum jemanden kennengelernt!“ Auf der Online-Plattform würde dagegen die erste emotionale Hürde genommen, auf Leute zuzugehen. „Das ist in meinen Augen eine positive Anonymität, die hilft, den ersten Schritt zu machen“.

Ein Fest für die ganze Nachbarschaft

Was Karine in Deutschland vermisst: Das traditionelle „Fête des voisins“. In Frankreich findet das Nachbarschaftsfest immer landesweit am letzten Freitag im Mai an vielen Orten gleichzeitig statt: Die Stadt ruft zentral dazu auf, mit seinen Nachbarn ein Gartenfest zu feiern und stellt dafür sogar ein „Starter-Paket“ mit Deko-Artikeln bereit, um die Bürger zu motivieren.

Basierend auf der Idee aus Frankreich wird am 25. Mai 2018 in ganz Europa der „Europäische Nachbarschaftstag“ stattfinden. „Ich könnte mir gut vorstellen, dann auch hier in Riehl etwas auf die Beine zu stellen,“ überlegt Karine. Aber jetzt krempelt sie erst noch die Ärmel für den nächsten Stammtisch hoch.

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Fun Facts von Karines Französisch-Stammtisch:

  • einen Frosch im Hals haben (D) ≈ eine Katze im Hals haben (FR)
  • einen Bärenhunger haben (D) ≈ einen Wolfshunger haben (FR)
  • für manche Wörter gibt es kein direktes Äquivalent im Französischen, z.B. „Heimat“: ein wunderschönes Wort im Deutschen, das eine tiefe Bedeutung hat. In Frankreich sagt man „Patrie“, was für mich aber "nur" Vaterland bedeutet.
  • witzig sind auch Kölsche Wörter, die ihren Ursprung im Französischen haben, z.B. „Plümmo“ heißt im Kölschen „Bettdecke“ und kommt vom französischen „plume“ = „Feder“. So ist es auch bei „Paraplü“, abgeleitet von „le parapluie“, dem Regenschirm.


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